Kognitive Fähigkeiten mit Persönlichkeitsmerkmalen kompensieren: Intelligenz ist viel, aber nicht alles

Kognitive Fähigkeiten erlauben eine stärkere Vorhersage für beruflichen Erfolg als Persönlichkeitsmerkmale, unter anderem weil sie fehlerfreier gemessen werden können. Das liegt unter anderem daran, dass die Ausprägung von Persönlichkeitsmerkmalen durch Selbsteinschätzung gemessen wird: Ein Kandidat gibt auf einer Skala an, zu welchem Maß eine Aussage auf ihn zutrifft, aber nicht jeder Mensch schätzt sich korrekt ein. Bei kognitiven Merkmalen gibt es in der Regel immer eine eindeutig richtige Lösung.

Kognitive Defizite kann man nicht so leicht mit Persönlichkeit ausgleichen wie andersherum.

Zwar sind kognitive Fähigkeiten oft in der Lage, gewisse Defizite im Persönlichkeitsbereich zu kompensieren, aber auch hier kommt es auf die spezifischen Anforderungen des Berufs an. Das zeigt beispielsweise der Vertrieb: Gerade bei einfachen Produkten wirkt sich Intelligenz nur bedingt direkt auf die Verkaufszahlen aus. Was dort zählt, ist tatsächlich die Persönlichkeit. Motivation und die Lust, Menschen zu überzeugen, sind hier entscheidend. Es braucht meist keine hochtrabende Fachsprache, sondern Vertrieb funktioniert auch mit einfachen Worten – es sei denn, die Produkte sind sehr komplex.

Selbst der schlauste Mensch ist ungeeignet, wenn seine Faulheit und Demotivation überwiegen und er nichts leistet. Intelligenz allein reicht nicht aus.

Dass Intelligenz nicht alles ist, zeigen auch überdurchschnittlich intelligente Bewerber, die aber unterdurchschnittlich integer sind. Eine gefährliche Mischung, denn sie können ein Risiko für das Unternehmen bedeuten, zum Beispiel im Fall eines Bänkers, der betrügt. Je schlauer er ist, desto schwieriger ist es, ihm auf die Schliche zu kommen. Begabte Menschen erlangen in der Regel auch mehr Einfluss, was den möglichen Schaden ebenfalls vergrößert. Spezifische Hürden für Persönlichkeitseigenschaften wie Integrität stellen hier sicher, dass die berufliche Eignung auch jenseits von den kognitiven Fähigkeiten gewährleistet ist. Das Gleiche gilt natürlich auch für den schlauen, aber faulen Kandidaten. Ohne eigenen Antrieb ist es selbst mit hohen kognitiven Fähigkeiten bei der Arbeit schwer, ein hohes Niveau zu erreichen. In jedem Falle bleibt die Leistung aber hinter einem ähnlich schlauen Menschen zurück, der stets mit vollem Einsatz dabei ist.
 

Fazit

  • Relevante Merkmale kompensieren stärker als weniger wichtige. 
  • Eine Anforderungsanalyse bestimmt, in welchem Umfang Merkmale kompensiert werden können.
  • In den meisten Berufen sind kognitive Fähigkeiten schwieriger zu kompensieren als Persönlichkeitsmerkmale. 
  • Je ausgeprägter eine anforderungsrelevante Schwäche ist, desto schwerer ist diese zu kompensieren.
  • Für wenig kompensierbare Merkmale wird empfohlen, spezifische Hürden in den Auswahlprozess zu implementieren – so ist die Mindestanforderung eines beruflichen Merkmals sicher gewährleistet. 

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