Internationale Personalauswahl: Deutsche Firmen in Indonesien

Worauf Sie bei Ihren Recruiting-Prozessen und in der Personalauswahl in Indonesien achten müssen


Indonesien ist aufgrund seiner reichen Bodenschätze und Agrarprodukte geschäftlich interessant – und nicht zuletzt wegen des großen Binnenmarkts des viertgrößten Staates der Welt. Aber es ist nicht alles Gold, das glänzt: Kultur und Rechtswesen werden besonders durch Korruption, Plagiarismus und Zwangs-Islamisierung beeinflusst, die im Land unterschiedlich ausgeprägt ist. Wir zeigen Ihnen einige indonesische Besonderheiten, die bei der internationalen Personalauswahl relevant sind.

Indonesien verfügt über eine relativ hohe Alphabetisierungsrate, viele Arbeitskräfte und in Ballungsräumen verhältnismäßig gut ausgebildete Erwerbspersonen und akademische Bildungseinrichtungen. Auch wenn indonesische Standards nicht mit mitteleuropäischem Niveau vergleichbar sind, bietet Indonesien eine solide Basis für wirtschaftliche Ansiedlung und Beschäftigung.

 

Geografische Besonderheiten: Qualifizierte Menschen kommen aus Städten

Im städtischen Raum ist die Berufsbildung auf einem guten Weg: Durch die Zusammenarbeit mit deutschen Bildungsinstitutionen etabliert sich ein duales System in der beruflichen Bildung, das berufliche Erfahrung und schulisches Wissen verbindet. Für eine praxisnahe Berufsbildung kooperieren Schulen, Unternehmen und Kommunen in der schulisch-universitären Ausbildung. Aber gerade im ländlichen Raum Indonesiens besteht nach wie vor ein großer Mangel an qualifizierten Facharbeitern bei gleichzeitig großer Unterbeschäftigung.

 

Die technische Entwicklung ist regional abhängig

Lediglich in wirtschaftlichen Ballungsräumen ist eine ausreichende Internetverbindung vorhanden. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen einem Drittel und der Hälfte der Bevölkerung Internetzugriff haben, der teilweise staatlich zensiert ist. Das Recruiting erfolgt deshalb in Indonesien meist lokal – nicht zuletzt wegen der geografisch eingeschränkten Mobilität durch hohes Verkehrsaufkommen und Fahrzeuge geringer Reichweite, wie die dort beliebten Mopeds. E-Recruiting ist nur in Indonesiens Ballungsräumen möglich, die über eine akzeptable digitale Infrastruktur verfügen. Anderweitig findet die Personalauswahl manuell statt, die vergleichbar ist mit den Arbeitsmaschinen: In Indonesien kommen noch Dampfmaschinen aus der niederländischen Kolonialzeit zum Einsatz, die hierzulande an das sich gerade industrialisierende Europa erinnern. Digitalisierung und Automatisierung sind in weiten Landesteilen Indonesiens nicht zu finden.

 

Kulturelle Besonderheiten: Religion und Plagiarismus

Auswahlmethoden orientieren sich zum Großteil an der religiös-islamischen Doktrin, nicht an objektiven wissenschaftlichen Standards. Um zu bestimmen, wer für einen Beruf oder Studiengang geeignet ist, wird mitunter aus dem Fingerabdruck die Eignung abgelesen. Selbst vermeintlich psychologisch-fundierte Testverfahren stellen sich als Raubkopien heraus, die weder eine kulturelle Normbasis aufweisen, noch aktuellen Messkonzepten entsprechen. Für eine differenzierende, psychologische Eignungsdiagnostik sollten Sie sich daher nicht auf die Hilfe von indonesischen Organisationen verlassen, sondern fundierte Methoden zur Personalauswahl mitbringen.

 

Die Probezeit erfordert den Einsatz von eignungsdiagnostischen Testverfahren

Zu Beginn der 2000er-Jahre wurde das Arbeitsrecht aus der Kolonialzeit aktualisiert und unter anderem das Prinzip der Probezeit eingeführt. Nach ihrem Ablauf sind Kündigungen schwierig durchzusetzen und mit erheblichen Abfindungen verbunden. Diese Änderung hat einen Wandel für das Recruiting in Indonesien mit sich gebracht: Um vor der Einstellung sicherzustellen, dass die Kandidaten geeignet sind, werden eignungsdiagnostische Verfahren eingesetzt wie beispielsweise Assessment Center, die im asiatischen Raum eher ungewöhnlich sind.

 

Achtung bei der internationalen Personalauswahl: Indonesisches Arbeitsrecht und regionaler Mindestlohn

Eine rechtliche Besonderheit ist, dass Arbeitsverhältnisse auch mündlich geschlossen werden können. Solche Arbeitsverhältnisse gelten dann aber als unbefristet. Es ist ratsam, Arbeitsverhältnisse in Indonesien immer in Schriftform zu schließen. Wird ein Arbeitsverhältnis befristet, muss es zusätzlich schriftlich begründet werden, denn einer Befristung geht immer ein sachlicher Grund voraus, wie beispielsweise die Tätigkeit an einem speziellen Projekt.
Wie in Deutschland gibt es den gesetzlich geregelten Mindestlohn. Doch im Vergleich zu Deutschland gelten regional unterschiedliche Tarife. Während in West-Java und Jakarta monatlich mindestens 180 € gezahlt werden müssen, ist es in Ost-Java ein Bruchteil dessen. In Indonesien sind 6 Arbeitstage pro Woche mit 40 Arbeitsstunden üblich – individuell kann auch eine 5-Tagewoche vereinbart werden. Ebenso ist der Urlaubsanspruch variabel: Regulär erhalten Mitarbeiter 12 Tage Jahresurlaub; bei langjährigen Mitarbeitern gelten gesetzlich geregelte Sonderregelungen von bis zu einem Monat.

 

Investitionen in indonesische Arbeitskräfte

Die indonesische Wirtschaft strebt an, unabhängig zu sein: Ausländische Arbeitskräfte dürfen nur dann beschäftigt werden, wenn dokumentiert wird, dass es für die anfallenden Arbeiten keine geeigneten indonesischen Fachkräfte gibt. Zusätzlich muss das Unternehmen nachweisen, dass es in die Entwicklung indonesischer Arbeitskräfte investiert. Der Beschäftigungsplan zur Einstellung ausländischer Mitarbeiter muss durch den Arbeitsminister genehmigt werden. Vor der Ansiedlung sollten deutsche Unternehmen deshalb einen Personalentwicklungsplan erstellen, um ausreichend indonesische Mitarbeiter für die Übernahme anspruchsvoller Aufgaben zu qualifizieren.

 

Tipps für die Personalauswahl in Indonesien

Wir zeigen Ihnen die Do’s and Don’ts für das Recruiting und die Personalauswahl in Indonesien. Diese grobe Orientierung ist nicht vollständig und ersetzt kein ausführliches Beratungsgespräch mit Experten. HR Diagnostics ist im indonesischen Markt aktiv und verfügt über lokale Experten, die bei Ihrer Ansiedlung vor Ort unterstützen können.

Do's

  • Beachten Sie den regionalen Mindestlohn
  • Begründen Sie Arbeitsverhältnisse nur schriftlich, vor allem bei Befristungen
  • Begründen Sie Befristungen von Arbeitsverhältnissen immer sachlich
  • Stellen Sie einen detaillierten Personalentwicklungsplan für indonesische Mitarbeiter auf
  • Halten Sie den Anteil an deutschen Mitarbeitern möglichst gering, um die Komplexität im Genehmigungsverfahren für ausländische Arbeitnehmer zu reduzieren. Setzen Sie besser auf die Vorab-Qualifikation indonesischer Mitarbeiter.

Dont's

  • Vertrauen Sie nicht auf technisch anspruchsvolle Ausbildung oder Vorerfahrungen der Bewerber
  • Verlassen Sie sich nicht auf lokale Personalauswahlmethoden
  • Hoffen Sie nicht darauf, dass Prozesse, an denen Behörden beteiligt sind, schnell verlaufen könnten

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