Die perfekte Stellenausschreibung – gibt es sie?

Warum eine Stellenausschreibung so konkret wie möglich sein sollte


Ja, es gibt die perfekte Stellenausschreibung: Mit ihr finden Unternehmen den am besten geeigneten Kandidaten für eine offene Stelle. Sie ist individuell angepasst und realistisch – bezogen auf das Angebot des Unternehmens und die Anforderungen an den Bewerber. Denn nur wenn der Schlüssel in das Schloss passt, öffnet sich die Tür zum Unternehmen – und verspricht Erfolg und Zufriedenheit im Beruf. Der Weg zum optimal passenden Bewerber beginnt daher mit einer Anforderungsanalyse.

Grundlegend für jede Stellenausschreibung: Die Anforderungsanalyse

Auf Onlineportalen klingen Stellenausschreibungen häufig nahezu identisch, obwohl es sich um ganz verschiedene Stellen handelt. Selbst Jobs mit demselben Stellentitel können in einem Unternehmen anders ausgeführt werden als in einem anderen. Gefordert werden oftmals Teamfähigkeit, Flexibilität und soziale Kompetenz. Doch erfordert die konkrete Stelle tatsächlich Flexibilität – und wenn ja, in welcher Ausprägung? Bleibt diese Frage offen, tappen Bewerber im Dunkeln, sie können sich kein Bild von der konkreten Stelle machen. Die Folge: Bewerber sagen nach einem persönlichen Gespräch ab, weil sie sich die Stelle anders vorgestellt haben oder Bewerber stellen sich als ungeeignet heraus, weil ihr Profil doch nicht den Anforderungen entspricht. Reflektierende Anforderungsanalysen klären die Frage, welche Eigenschaften, Fähigkeiten und Fertigkeiten ein Kandidat für eine Stelle mitbringen muss, um beruflichen Erfolg zu haben.

Das Ziel ist, die perfekte Passung herzustellen zwischen den Anforderungen der Stelle und den Fähigkeiten, die ein Bewerber mitbringt.

In Anforderungsanalysen können auch zukünftige Anforderungen an die Stelle berücksichtigt werden. Darauf aufbauend bildet die Stellenausschreibung dann nicht nur die aktuellen Gegebenheiten der Tätigkeit ab, sondern geht darüber hinaus und enthält zusätzlich die Zukunftsvision des Berufs.

Stellenausschreibungen: Konkret werden, Floskeln vermeiden und auf Wesentliches fokussieren

Natürlich soll eine Stellenausschreibung möglichst viele potenzielle Bewerber ansprechen. Umgekehrt muss die Qualität der Bewerber aber gut sein, damit die Stelle passend besetzt werden kann. Häufig verwenden Unternehmen in einer Stellenausschreibung jedoch allgemeine Floskeln, die unkonkret bleiben und wenig Aussagekraft über die Stelle haben. Bei unpräzisen Anforderungen wie „Englischkenntnisse sind erforderlich“ ist es für Bewerber schwierig einzuschätzen, welche Ausprägung von Englischkenntnissen gefordert wird: Im Berufsalltag können Grundkenntnisse für Small Talk ausreichend sein, dagegen sind im Fall von Führungskräften verhandlungssichere Englischkenntnisse zwingend notwendig. Anforderungen sollten daher immer konkret formuliert werden. Insbesondere Persönlichkeitseigenschaften sind in ihrer Ausprägung schwierig zu greifen. Hier ist es hilfreich, Anwendungssituationen für die jeweilige geforderte Eigenschaft zu schildern. Soziale Kompetenz kann so beispielsweise durch den Zusatz „für Kundengespräche“ spezifiziert und greifbar gemacht werden. Anforderungen an den Bewerber sollten immer im Hinblick auf die reale Tätigkeit gestellt werden, nicht auf wünschenswerte Extras. Das Ziel einer Stellenausschreibung ist, die richtigen Bewerber für die dazugehörige Stelle anzusprechen. Und je konkreter Anforderungen kommuniziert werden, desto größer ist die Chance, einen passenden Kandidaten für die zu besetzende Stelle zu finden.

Rechtliche Rahmenbedingungen von Stellenausschreibungen

Die perfekte Stellenausschreibung findet den perfekt geeigneten Bewerber – unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Identität, Rasse, ethnischer Herkunft, Behinderung, Religion oder Weltanschauung. Sie vermeidet Diskriminierung, indem sie sich an das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) hält. Solange Bewerber den qualifizierenden Anforderungen der Stellenausschreibung entsprechen, muss für jeden Bewerber dieselbe Chance bestehen. In einigen Unternehmen werden bei gleicher Eignung schwerbehinderte Bewerber bevorzugt, um Benachteiligung zu vermeiden; DAX-Unternehmen sind an dieser Stelle beispielsweise an eine Quote gebunden. Jedoch können Menschen mit Behinderung auch von bestimmten Berufen ausgeschlossen werden, wenn die Tätigkeit Gefahren für sie selbst oder für andere birgt. Entsprechend unverzichtbar ist die vielfach zitierte Anforderungsanalyse für eine Stelle, die alle theoretischen und praktischen Rahmenbedingungen einer Tätigkeit im Detail definiert.

Der perfekte Aufbau einer perfekten Stellenausschreibung

Jede Stellenausschreibung sollte unternehmensspezifisch verfasst werden. Bei der strukturellen Gestaltung gibt es zwar keine Vorgaben, allerdings hat sich ein gewisser Aufbau bewährt:

  • Vorstellung des Unternehmens: Zu Beginn wird das Unternehmen kurz vorgestellt, damit die Bewerber eine Vorstellung von seiner Größe, fachlichen Ausrichtung und Unternehmenskultur erhalten.
  • Wesentliches zur Stelle: Darauf folgt der Stellentitel mit dem dazugehörigen Stellenprofil. So konkret und realistisch wie möglich werden Aufgaben beschrieben. Im Fall von Führungspositionen muss zusätzlich deutlich werden, um welche Führungsebene es sich handelt und welche Verantwortung damit verbunden ist. Eine realistische Tätigkeitsbeschreibung führt unter anderem zur sogenannten „Selbstselektion“: Bewerber können durch die konkreten Beschreibungen vorab einschätzen, ob ihnen die Tätigkeit zusagt und den eigenen Erwartungen entspricht.
  • Anforderungen an die Bewerber: Aus dem Stellenprofil leiten sich konkrete Anforderungen und Qualifikationen ab, die der Bewerber für die ausgeschriebene Stelle erfüllen sollte. Bewerber können anhand dieser Anforderungen selbst einschätzen, ob das eigene Profil den Anforderungen entspricht oder nicht.
  • Leistungen transparent aufzeigen: Unternehmensseitige Leistungen oder Anreize, die dem Mitarbeiter geboten werden, wie zum Beispiel regelmäßige Fortbildungen und flexible Arbeitszeiten, können nach dem Stellenprofil aufgeführt werden. Hierbei sollten nur reale Leistungen aufgelistet werden und keine leeren Versprechen.
  • Alle Fragen zum Bewerbungsprozess klären: Am Ende einer Stellenanzeige sollen beim Bewerber keine Fragen offen bleiben: Wer ist der Ansprechpartner? Wie geht es weiter im Prozess? Wann ist Bewerbungsschluss? Welche Dokumente sind für eine Bewerbung erforderlich?

Fazit

Eine perfekte Stellenausschreibung muss eindeutig und realistisch beschreiben, welche Anforderungen eine zu besetzende Stelle stellt, denn die Fähigkeiten der Kandidaten sollen später zu den Anforderungen im realen Arbeitsalltag passen. Die Stellenausschreibung lässt keine Fragen offen – seien es wichtige Informationen zum Unternehmen, der Tätigkeit oder Bewerbungsfristen. Neben den Fähigkeiten, Fertigkeiten und Eigenschaften ist auch deren jeweilige Ausprägung relevant, die konkret und differenziert kommuniziert wird. Stellenausschreibungen geben jedem Bewerber dieselbe Chance und halten sich so an rechtliche Rahmenbedingungen. Am Ende findet ein Unternehmen mit einer perfekten Stellenausschreibung den perfekt passenden Kandidaten.


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