Die dunkle Triade der Persönlichkeit

So finden Sie heraus, ob Bewerber ein Risikopotenzial für Ihr Unternehmen mitbringen


Niemand ist perfekt: Jeder Mensch hat individuelle Stärken und Schwächen, die sich im Beruf durch Leistung und Erfolg für das Individuum als auch das gesamte Unternehmen manifestieren. Bestimmte Persönlichkeitseigenschaften haben sich jedoch als messbar kritisch und risikoreich für Berufs- und Unternehmenserfolg erwiesen: Narzissmus, Machiavellismus und subklinische Psychopathie bilden die sogenannte dunkle Triade der Persönlichkeit. Mit einem wissenschaftlichen Testverfahren können Sie messen, inwieweit Ihre Bewerber durch diese Eigenschaften ein Risikopotenzial mitbringen – und sich auf dieser Basis für oder gegen einen Kandidaten entscheiden. 

In der HR-Praxis wird immer wieder darüber diskutiert, ob Mitarbeiter in Führungspositionen bestimmte Persönlichkeitseigenschaften bräuchten, die zwar nicht besonders populär, dafür aber erfolgsträchtig seien: Dazu gehören Merkmale wie ein überzogenes Selbstwertgefühl, manipulatives Verhalten und Empathielosigkeit. James Bond ist ein typisches Beispiel für einen Charakter mit diesen Eigenschaften, wie Wissenschaftsredakteurin Fanny Jiménez treffend in einem Artikel zusammenfasst Er wirkt charmant und höflich, handelt aber kaltblütig und rücksichtslos – und wird doch zum Helden stilisiert.

Tatsächlich können diese Eigenschaften von Personen bei überdurchschnittlicher Ausprägung ein Risiko für Unternehmen und die eigene Karriere darstellen. Im wissenschaftlichen Kontext sprechen wir dann vom Phänomen „Derailment” – dem „Entgleisen“ von Führungskräften aus der Karrierespur. 

Derailment zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass jemand beginnt, sich unkorrekt zu verhalten, um (vornehmlich eigene) Ziele zu erreichen. Dieses Verhalten kann soweit gehen, dass Führungskräfte zur Erreichung der Ziele unternehmensschädigende Entscheidungen treffen.

Um Risikopotenziale beim eigenen Personal zu identifizieren und im Recruiting von vornherein auszuschließen, sollten HR-Verantwortliche deshalb nicht nur positive und anforderungsbezogene Eigenschaften einer Person messen, sondern auch die Merkmale, die zu einem Derailment führen können: die dunkle Triade der Persönlichkeit. 

Die dunkle Triade der Persönlichkeit im Überblick

Die sogenannten dunklen Persönlichkeitseigenschaften sind das Ergebnis psychologischer Forschung zur Frage, welche Merkmale bei Mitarbeitern und Führungskräften Schaden in einer Organisation anrichten können. Die dunkle Triade setzt sich aus den drei verwandten Merkmalen Narzissmus, Machiavellismus und subklinische Psychopathie zusammen, die eines gemeinsam haben: Alle drei bewirken, dass die eigenen Ziele und persönlicher Erfolg über das Glück von anderen gestellt werden. Menschen mit starker Ausprägung dieser Persönlichkeitseigenschaften sind bereit, andere auszubeuten, zu manipulieren oder zu betrügen, um (beruflich) voranzukommen. Die Triade im Überblick: 

Narzissmus ist eine stark überzogene Selbstwertschätzung und der Glaube, besser zu sein als andere und entsprechend besondere Zuwendung verdient zu haben. 

Machiavellismus ist die manipulative Persönlichkeit – sie geht einher mit Zynismus und einem Misstrauen gegenüber anderen und deren Absichten. 

Subklinische Psychopathie ist deutlich abzugrenzen von der klinischen Psychopathie, einer echten und schweren Persönlichkeitsstörung. Als rein arbeitsbezogen konzipierte Eigenschaft drückt sich die subklinische Psychopathie aus in einem ausbeuterischen und rücksichtslosen Verhalten, in emotionaler Kälte und einem impulsiven Arbeits- und Lebensstil. Menschen mit subklinischer Psychopathie ignorieren oft Regeln und Strukturen und können sich nur schwer an Ziele und Pläne halten.

Wie die dunkle Triade in der Eignungsdiagnostik berücksichtigt wird 

Auch wenn die beschriebenen Eigenschaften der dunklen Triade (in ihrer originalen Form) zunächst grundsätzlich sehr negativ wirken, können sie im Arbeitskontext als normale Bestandteile einer Person verstanden und entsprechend erhoben werden. Das bedeutet, jeder von uns hat diese Merkmale zu einem gewissen Ausmaß. Wie bei allen berufsbezogenen Persönlichkeitstests werden diese Eigenschaften daher auf einer stetig verteilten Skala gemessen, die die Normalverteilung einer Eigenschaft abbildet.

Jeder Mensch hat auf dieser Skala eine individuelle Ausprägung der Eigenschaften. Anders gesagt: Niemand scored bei einem Test zu Narzissmus mit Null. Menschen mit hoher Ausprägung können jedoch ein Risiko für den Erfolg des Unternehmens darstellen.

In der psychologischen Eignungsdiagnostik sind klare Zusammenhänge zwischen der dunklen Triade und anderen Persönlichkeitseigenschaften beobachtbar. So besteht zum Beispiel eine Korrelation zwischen der dunklen Triade und den Eigenschaften Integrität und Verträglichkeit: Menschen mit hohen Ausprägungen der dunklen Triade sind wenig integer und sozial verträglich. Ein anderer Bezug besteht zur Leistungsmotivation einer Person – allerdings nicht im Sinne tatsächlicher Lernorientierung und Arbeitsleistung innerhalb und für die Organisation, sondern allein im Sinne der Motivation für die persönlichen Ziele. Menschen mit hoher Ausprägung der dunklen Triade leben meist eine Ellenbogen-Mentalität und stellen den eigenen Erfolg über alles andere.

Ein Testverfahren deckt „die dunkle Seite Ihrer High Potentials“ auf

HR Diagnostics hat ein Verfahren entwickelt, das die berufsrelevanten Aspekte aus den drei psychologischen Konstrukten Narzissmus, Machiavellismus und subklinischer Psychopathie erhebt – also lediglich die Bestandteile der Merkmale, die für das Verhalten im Beruf, sowohl zwischenmenschlich als auch gegenüber der Organisation, relevant sind. 

Für die Erhebung der Merkmale wurden berufsbezogene Items (Aufgaben) entwickelt, die das Verhalten in spezifischen Situationen abfragen. Aus den Ergebnissen der Verfahrensentwicklung konnten zwei zentrale, messbare Faktoren abgeleitet werden, die etwas über die Ausprägung der „dunklen Persönlichkeitseigenschaften“ aussagen:

  1. Überlegenheit als berufsbezogene Variante oder Teilaspekt von Narzissmus 
    Beispiel-Item: „Mein Vorgesetzter weiß, dass er kaum einen Besseren für meine Arbeit finden wird, als mich.“
  2. Durchsetzungsfähigkeit als berufsrelevanter Aspekt aus Machiavellismus und Psychopathie. Er zeichnet sich durch eine reine Ergebnisorientierung aus. 
    Beispiel-Item: „Kunden darf man zu Anfang nicht gleich die ganze Wahrheit erzählen.“

Natürlich werden Merkmale wie Durchsetzungsfähigkeit und hohes Selbstbewusstsein von einer Führungsperson geradezu gefordert – die Frage ist nur, in welchem Maße diese Eigenschaften bei einem Menschen ausgeprägt sind.

Die Anwendung des Testverfahrens 

Das Testverfahren DARK SIDE wird sowohl in der Personalauswahl als auch in der internen Potenzialanalyse eingesetzt und eignet sich zur Vorauswahl in einem mehrstufigen Prozess. Besonders bei High Potentials, die sich in einer frühen Karrierephase befinden und sich auf eine erste Führungsposition bewerben, ist es sinnvoll, vor einer Entscheidung sicherzustellen, dass das Risikopotenzial durch ausgeprägte dunkle Eigenschaften nicht zu hoch ist. 

DARK SIDE wird nie losgelöst, sondern immer im Kontext einer ganzheitlichen Eignungsdiagnostik eingesetzt – Sie messen in einem umfangreichen Auswahlprozess somit nicht nur das Risikopotenzial einer Person, sondern grundsätzlich alle anforderungsbezogenen Eigenschaften und Fähigkeiten durch verschiedene psychologische Testverfahren.

Bis wann ist es noch hell? 

Aus den Ergebnissen des Testverfahrens können Sie ablesen, wo sich ein Bewerber bezüglich der dunklen Triade im Vergleich zu anderen befindet. Alle Kandidaten, die sich auf der Z-Skala um den Mittelwert herum bewegen, sind grundsätzlich als geeignet zu betrachten. Meist entscheidet dann der direkte Vergleich zwischen einzelnen Bewerbern im Hinblick auf weitere anforderungsbezogene Fähigkeiten und Eigenschaften sowie die Relevanz eben dieser Merkmale für die zu besetzende Position. Befindet sich ein Kandidat hingegen mehr als eine Standardabweichung über dem Mittelwert – also bei einem Wert über 110 und darüber –, ist das Risikopotenzial dieser Person überdurchschnittlich hoch. Dies trifft auf etwas 10 bis 15 Prozent der Bewerber zu.

Schriftliche Ergebnisberichte pro Kandidat erläutern zusätzlich ausführlich die einzelnen gemessenen Merkmale, deren Ausprägung und Implikationen für zukünftigen Berufserfolg. Sie helfen Ihnen bei der Interpretation der Testergebnisse und dabei, um den „Psychopathen im Anzug“ herum zu kommen. 



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